Nov
3
2011

RORY GALLAGHER: GITARRE KAPUTT!

An dieser Stelle erzählen wir regelmäßig Anekdoten und interessante Geschichten aus dem großen Fundus der Rockgeschichte. Entnommen sind sie Ernst Hofackers Buch „Giganten – die legendären Baumeister der Rockmusik“. Diese Woche: Der Abend, als Rory Gallaghers berühmte Fender Stratocaster keinen Ton mehr von sich gab und ein Toningenieur bei ihrer Reparatur eine erstaunliche Entdeckung machte ...

Von Ernst Hofacker

Rory und seine ramponierte Strat – ein unzertrennliches Paar, vor allem auf der Bühne. Eines Abends jedoch, es war beim Konzert im Berliner „Metropol“ während der „Jinx“-Tour im Jahr 1982, verweigerte die sturmerprobte Gitarre den Dienst. Sie hatte Aussetzer, irgendetwas schien mit der Elektronik nicht zu stimmen. Rory gab das gute Stück in die Hände seines Toningenieurs Norbert Dembski, der es reparieren sollte. Abends im Hotelzimmer nahm Dembski die Gitarre auseinander – und staunte nicht schlecht. In „Giganten“ erzählt er:

“Ich schraubte dann das Schlagbrett ab. Ich hatte mich schon gewundert, welch ein Schmier unter den Kanten klebte – als ich das Plastikteil dann abnahm, traute ich meinen Augen nicht. Unglaublich! Der komplette Hohlraum war gefüllt mit einer undefinierbaren Masse. Alles war zugewuchert von einem riesigen Pilz. Offenbar war der Dreck das Ergebnis von Hunderten von Konzerten. So was habe ich nie wieder gesehen. Der Typ hat beim Spielen unglaublich geschwitzt. Und all dieser Schweiß lief immer in die Gitarre rein. Sie hatte tatsächlich den Schweiß von 20 Jahren Blues gesammelt.”

Inzwischen hat die Firma Fender eine originalgetreue Kopie der berühmten Gallagher-Stratocaster auf den Markt gebracht – natürlich ohne Schweißablagerungen unter dem Schlagbrett. Für die müssen die geneigten Kunden mit entsprechendem Körpereinsatz schon selbst sorgen…

Ein ausführliches Porträt von Rory Gallagher sowie Essays zu weiteren bedeutenden Figuren der Rockgeschichte finden Sie in „Giganten – die legendären Baumeister der Rockmusik“ von Legacy-Club-Autor Ernst Hofacker (Koch International/Hannibal, 480 S., 16,99 €).