Nov
5
2013

MILES DAVIS: Ursprünglicher Musikgenuss auf der Mono-Box

Als Miles Davis in den 1950er Jahren einige seiner größten Alben aufnahm, hörte noch niemand in Stereo – Platten wie „Kind Of Blue“ und „Milestones“ waren für monophone Abspielgeräte konzipiert. Das feine Boxset „The Original Mono Recordings“ bietet neun Davis-Klassiker jener Zeit – so wie sie damals eingespielt und gehört wurden. 

Text: Ernst Hofacker

Bis weit in die 1950er Jahre hinein war Vinyl auf den Plattenspielern die Ausnahme. Das Gros der Konsumenten hörte Musik noch auf Schellack. Erst Mitte des Jahrzehnts begann sich das zu ändern, vor allem auf dem Singles-Markt konnte sich das Vinyl schnell durchsetzen. Und selbstverständlich waren sämtliche Aufnahmen jener Zeit in Mono. Tatsächlich kamen erst im Jahr 1957 erste Demonstrationsplatten der neuen Stereotechnik auf den Markt. Bis sich echte Stereoaufnahmen allerdings auch im Mainstream durchsetzen konnten, sollte es noch gute zehn Jahre dauern. Verantwortlich dafür war dabei vor allem die kreative Explosion der Rockmusik in den mittleren und späten 1960er Jahren.

Zuvor jedoch war Stereo kaum ein Thema. Auch für einen Jazzgiganten wie Miles Davis nicht. Seine Musik wurde live eingespielt und von den Toningenieuren der großen Columbia-Studios mit akribischer Sorgfalt aufgenommen – in Mono. Bisherige Neu-Editionen der originalen Davis-Alben aus den 1950er Jahren sind mit einem künstlichen Stereo-Klang ausgestattet worden, um heutigen Hörgewohnheiten entgegenzukommen. Nun aber erscheinen einige der wichtigsten Alben des legendären Trompeters aus der Zeitspanne von 1957 bis 1964 in der ursprünglichen Mono-Version, womit zum ersten Mal seit damals ein Musikgenuss in der Weise möglich ist, wie er seinerzeit gedacht war.

MilesDavis2-e1392253193252-300x300 Unter den neun in „The Original Mono Recordings“ versammelten Miles-Davis-Alben befinden sich natürlich die Highlights seiner Hard-Bop-Phase, darunter Klassiker wie „Kind Of Blue“, „Milestones“ , „’Round About Midnight“ und „Someday My Prince Will Come“, daneben beinhaltet das Paket mit „Sketches Of Spain“, „Miles Ahead“ und „Porgy And Bess“ die großartigen Ergebnisse der Zusammenarbeit mit dem Arrangeur Gil Evans.

Nicht zuletzt aber finden sich in diesem Boxset noch zwei besondere Platten: Zum einen „Jazz Tracks“, auf dem seinerzeit zehn Stücke des Soundtracks für Francois Truffauts Film „Fahrstuhl zum Schaffott“ (1957) sowie drei weitere Tracks aus einer Session von 1958 (bereits in der „Kind Of Blue“-Besetzung!) zusammengefasst waren; zum anderen „Miles & Monk At Newport“, das 1964 erschien und im Unterschied zu dem, was der Titel suggeriert, nicht die beiden Jazzgiganten gemeinsam auf der Bühne präsentiert sondern stattdessen separat einen Davis-Auftritt von 1958 und eine Monk-Perfomance aus dem Jahr 1963.

Jedes Album erscheint als Mini-Vinyl-Replik mit originalem Artwork, dazu bietet ein 40-seitiges Booklet neben sämtlichen editorischen Informationen seltene Fotos und ein neues, vom renommierten US-Jazzexperten Marc Myers verfasstes Essay.

„Miles Davis – The Original Mono Recordings“ enthält folgende Alben:

1.  ’Round About Midnight (1957)
2.  Miles Ahead (1957)
3.  Milestones (1958)
4.  Jazz Track (1959)
5.  Porgy And Bess (1959)
6.  Kind Of Blue (1959)
7.  Sketches Of Spain (1960)
8.  Someday My Prince Will Come (1961)
9.  Miles And Monk At Newport (aufgenommen 1958 and 1963, veröffentlicht 1964).